Pinkstinks

Sobald man sich unter Menschen bewegt, erstrahlen rosa und pink, soweit das Auge reicht. Ein Mädchen, das keinerlei rosalilapink trägt, ist nur noch sehr schwer zu finden. Ebenso ist das Geschlecht nicht selten bereits an der Farbe des Kinderwagens oder des Aufklebers auf dem Auto deutlich zu erkennen. Vielleicht die Ablösung der „Was ist es denn?“-Frage, die sich eigentlich recht einfach mit „ein Mensch“ beantworten lassen würde. Eine logische Erklärung, warum ein Säugling zwangsläufig rosafarbene Kleidung tragen muss oder eben diese nicht tragen darf, gibt es wohl nicht, auch wenn genau das konsequent suggeriert wird. Neben der Kleidung (die oft bereits für Babys nach Geschlechtern getrennt offeriert wird) bieten die Spielzeugabteilungen (on- und offline) ein Bild des (vor allen Dingen pinken) Grauens, von der Darstellung der Geschlechter in den Medien ganz zu schweigen.

Spieglein

Erstaunlich finde ich den Rückschritt, den es in dieser Beziehung in den letzten 20 Jahren gegeben hat. Starke Mädchen wie Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter sind abgelöst worden von magersüchtigen, schwächlichen und natürlich in rosa gekleideten Feen mit großen geschminkten Kulleraugen. Einst war Barbie die Ausnahme – heute befindet sie sich in guter und zahlreicher Gesellschaft. Für viele Produkte gibt es neben dem „normalen“ Produkt ein Pendant für Mädchen – selbstverständlich in rosa. Nicht anders sieht das Spielzeug für Jungen aus, die früh erlernen, um rosa Spielzeug einen Bogen zu machen (und erstaunlicher Weise sofort wissen, dass das rosa Ü-Ei nur für Mädchen ist) und sich in die ihnen zugedachten Rollenklischees einzufügen.

Negativbeispiele dieser Art gibt es zahlreiche und in vielen verschiedenen Bereichen und ich möchte an dieser Stelle erst gar nicht mit der Aufzählung beginnen, sondern auf eine Kampagne aufmerksam machen, auf die ich bei der Beschäftigung mit diesem Thema gestoßen bin, nämlich Pinkstinks. Es handelt sich hier um eine Kampagne, die der Pinkifizierung den Kampf ansagt und es Menschen, denen dieses Thema am Herzen liegt, ermöglicht, aktiv zu werden, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, zu demonstrieren, auf sexistisches Werbematerial aufmerksam zu machen, Infomaterial für Einrichtungen zu erhalten und vieles mehr. „Mädchen sein kann man auf viele Weisen“, „Junge sein kann man auf viele Weisen“ lauten zwei der Slogans. Aktuelles Thema ist unter anderem die Sendung „Germanys Next Topmodel“, auf Twitter zu verfolgen unter dem Hashtag #keinbildfuerheidi.

Zudem ist zahlreiches Infomaterial zu finden, wie beispielsweise eine Filmsammlung. Toll sind auch die Buchempfehlungen, in denen man sehr schöne Bücher zum Selberlesen und Verschenken findet. Seit kurzem gibt es im Shop z.B. das Buch „David und sein rosa Pony“, an dem auch Nils Pickert mitgearbeitet hat, der Vater, dessen Foto von ihm und seinem kleinen Sohn im Rock um die Welt ging.

Ein gutes Zeichen, dass sich immer mehr Menschen dagegen wehren, dass Kinder mit Rollenklischees groß werden und früh lernen, ihre eigene Persönlichkeit zu verstecken, auf ihre Stärken nicht mehr stolz zu sein und sich anzupassen, statt ihr Leben so zu leben, dass sie damit glücklich sind. Der Schauspieler Anthony Rapp drückt es treffend aus:

„Etiketten sind für Dosen, nicht für Menschen.“